Naja, etwas überdreht und knallig ist die Neuproduktion von Gaetano Donizettis Liebestrank im Gärtnerplatztheater in München dann doch geworden. Aber auf sympathische Weise. Dirk Schmeding, der Regisseur, und Martina Segna, die für die Bühne verantwortlich zeichnet, lassen die Handlung in den 70er-Jahren irgendwo in Italien spielen. Die Sonne glüht in Form einer großen Zitronenscheibe, der Quacksalber Dulcamara, mit routiniertem Bass und teilweise atemberaubenden Tempi von Alexander Grassauer gesungen, springt mit einem Glitzerkostüm (Frank Lichtenberg) und Vokuhila-Schnitt aus einem übergroßen Fernseher und weckt Assoziationen an Hitparaden und deutsches Unterhaltungsfernsehen. Die junge und prätentiöse Adina räkelt sich in einem schicken Badeanzug, die Kleidung der Dorfbewohner ist arm und verschlissen. Der arrogante Sergeant Belcore (dem Ludwig Mittelhammer seinen schönen und ausdrucksstarken Bariton verleiht) wird stets von vier Soldaten begleitet, und die tuntigen Bewegungen eines etwas korpulenteren unter ihnen amüsieren das Publikum.