Der Krieg war gerade einmal einen guten Monat zu Ende, als Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“ im Juni 1945 in London uraufgeführt wurde. Der Erfolg war groß, und der junge Komponist wurde als neuer Stern am gar nicht besonders reich bestückten Himmel britischer Komponisten gefeiert. Dabei erzählt Britten eine durch und durch düstere Geschichte: Ein Lehrling des Fischers Peter Grimes ist zu Tode gekommen. Grimes wird angeklagt, aber ohne Untersuchung freigesprochen. Ein Außenseiter bleibt der schroffe, schwer zu greifende Mann gleichwohl. Daran ändert nicht einmal die Liebe Ellens zu ihm etwas, die ihm unerschütterlich vertraut und durch ihre Zuneigung retten möchte. Auch ein neuer Lehrjunge zeigt schon bald deutliche Anzeichen von Gewalt und, so muss man vermuten, wohl auch weitergehender Misshandlung. Als der Junge von einer Ausfahrt bei unwirtlich-bedrohlichem Wetter nicht mehr zurückkommt, ist für die aufgebrachte Menge klar, wer der Schuldige ist. Und Grimes, der dem Wahnsinn nahe steht, befolgt schließlich den Rat, den man ihm gibt. Er setzt seinem Leben bei Wind und Wetter draußen auf dem tosenden Meer ein Ende – im Dorf nicht viel mehr als eine Randnotiz. Montagu Slater ist mit diesem Libretto ein außergewöhnlich intensives Portrait eines zerrissenen, ambivalenten Außenseiters gelungen, das gerade heute in Zeiten klarer Urteile und ständiger Vereinfachung anrührt, zumal Brittens eher spätromantische, hoch expressive, zugleich aber süffige Musik die emotionalen Befindlichkeiten der beiden Protagonisten Peter und Ellen farbenreich ausleuchtet.