Bedenkt man, welche Perlen des Repertoires in den letzten Jahren von den erneuerungssüchtigen Intendanten der Bayerischen Staatsoper schlankerhand entsorgt wurden (zuletzt noch Otto Schenks weltberühmte „Rosenkavalier“-Inszenierung), so ist es doch verwunderlich, dass gerade Lina Wertmüllers „Carmen“ aus dem Jahr 1992 bis heute erhalten blieb. Ein Geniestreich ist diese Produktion nun wahrlich nicht. Aber sie bietet eine solid erzählte Geschichte, die sich vor Klischees nicht fürchtet. Da gibt es bunte, folkloristisch anmutende Kostüme von Enrico Jobs und ein naturalistisches Bühnenbild mit südlichem Lokalkolorit vor zum Teil hässlich gelb gefärbtem Himmel. Röcke werden gerafft und Hüften geschwungen, anzügliche Blicke getauscht und finstere Machenschaften ausbaldowert. Kurzum: Es ist eine „Carmen“, wie man sie sich eben vorstellt.