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Theater · Literatur

Duncan Macmillans „All das Schöne“ in Bern

Duncan Macmillan „All das Schöne“ in den Vidmarhallen Bern

2. November 2021  ·  Bernhard Metz

Depression und Suizid sind akut, als Pandemieauswirkungen mehr denn je. Noch gravierender ist, welchen Belastungen Kindern depressiver oder suizidaler Eltern oft lebenslang ausgesetzt sind. Von Nick Hornbys All About a Boy bis zu Hape Kerkelings Der Junge muss an die frische Luft, beide erfolgreich verfilmt, ist dieses Thema durch Literatur und Film ins Bewusstsein gerückt worden. Solche pathographischen Egotexte werden oft als Aufzählung und in Listenform organisiert, das Aufschreiben mit therapeutischen Ausrichtungen verbunden. Für einen Menschen, der damit konfrontiert wird und weiterleben muss, bleiben elterliche Depression und Suizid Aufgabe, Bürde und Last, die das eigene Leben oft sogar generationenübergreifend beeinträchtigen.

Duncan Macmillans Every Brilliant Thing wurde 2013 am Ludlow Fringe Festival uraufgeführt, kam 2014 an den Broadway und war mit dem Comedian Jonny Donahoe, mit dem das Stück ausgearbeitet wurde, 2016 als HBO-Verfilmung sogar im Fernsehen. Im gleichen Jahr kam es als All das Schöne am Staatstheater Mainz in Übersetzung von Corinna Brocher erstmals deutsch auf die Bühne. Aktuell und wichtig ist es geblieben. Darum ist es begrüßenswert, dass die Inszenierung von Franziska Stuhr, die zuvor am Jungen SchauSpielHaus Hamburg gezeigt wurde, nun als Wiederaufnahme in Bern zu sehen ist. Premiere war am 23. Oktober 2021.

Der Abend bietet Genet Zegay, die neu zum Berner Schauspielensemble gehört, eine ideale Möglichkeit, sich dem Publikum vorzustellen. Das gut einstündige Monologstück ist also nicht nur wegen seines eminenten Themas und aufgrund der herbstlichen Jahreszeit und damit einhergehender Gemütsverstimmungen hochwillkommen. Auch durch Nähe und Interaktion mit dem Publikum, die es fordert, ergeben sich gute Gelegenheiten zum gegenseitigen Sich-Kennenlernen.

Beim Monologisieren bleibt es nicht: Der Erzähler/die Erzählerin (Narrator; bei Macmillan ist es mit Donahoe zu Beginn ein Sechsjähriger, bei Stuhr mit Zegay eine anfangs Siebenjährige) überträgt die wenigen Zusatzrollen gekonnt auf das Publikum und lässt es mitsprechen, -singen und -spielen. So gibt es zusätzlich einen Tierarzt (Vet), den Vater (Dad), die große Liebe Alex (Sam), eine Unidozentin (Lecturer), eine Vertrauenslehrerin mit therapeutisch sprechender Strumpfsocke (Mrs Patterson/Sock). Abwesend ist immer die Mutter, diese spricht nie, um sie und deren schließlich erfolgende Selbsttötung geht es bzw. um die fatalen psychischen und sozialen Folgen dieser Handlung für das Kind (weitere Geschwisterkinder sind in künstlerischen Behandlungen dieses Familiensettings meist absent, auch in All das Schöne):

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