Neues Morgenblatt
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Theater · Literatur

Ein barockes Musical

Ein barockes Musical im Theater an der Wien

10. April 2026  ·  Michael Bordt SJ

Es war ein großer Triumph: 2022 wurde in Bayreuth eine Oper aus den Archiven hervorgeholt, die seit 1740 nicht mehr zu hören war: Leonardo Vincis ‚Alessandro nell´Indie‘, ‚Alexander in Indien‘ also – wobei Leonardo Vinci nicht mit dem berühmten Leonardo da Vinci zu verwechseln ist. Aufhänger des extrem erfolgreichen Librettos von Pietro Metastasio ist der große Feldzug Alexander des Großen nach Indien, genauer: ins heutige Pakistan. Dort besiegte er 326 v. Chr. den König Porus. Was sich dann in der Oper entfaltet, hat allerdings mit den tatsächlichen Vorgängen nichts mehr zu tun: Poro, also Porus, will sich das Leben nehmen, weil er besiegt wurde. Der Selbstmordversuch wird natürlich aufgehalten, wie übrigens drei weitere solche Versuche in der Oper auch. Zur Mannschaft der besiegten Inder gehört Cleofide, die Geliebte von Poro, die einen kühlen Kopf bewahrt, um sich und ihren Geliebten aus der Gefangenschaft zu befreien. Dazu bandelt sie listig mit Alexander an und macht ihm Hoffnungen, was Poro, der sowieso schon zur Eifersucht neigt, vollkommen unerträglich findet. Das ist natürlich längst nicht alles: Es gibt einen Rollentausch, ein weiteres Liebespaar, einen richtigen Bösewicht und – natürlich – ein obligates happy end.

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