Wer die Gelegenheit wahrnimmt, im Fernsehen, auf DVD oder in den Opernhäusern die vielen „Nußknacker“-Aufführungen anzusehen, die (sofern nicht aus politischen Bedenken abgesetzt) während der Weihnachtstage gezeigt werden, und nun glaubt, dieses Ballett zu kennen, wird von John Neumeiers Fassung, die 1971 in Frankfurt Premiere hatte und seit 1974 auch an der Hamburgischen Staatsoper zu sehen ist, überrascht sein. Neumeier erzählt die auf E.T.A. Hoffmann zurückgehende Geschichte von 1816 auf ganz eigene Art, ja man könnte sagen, dass sein Ballett mit Hoffmanns Text nur noch wenig zu tun hat, denn sich bekriegende Truppen, Limonadenströme und Mandelmilchseen gibt es bei ihm keine. Man kann aber auch der Auffassung sein, dass Neumeier zum Kern der Geschichte vordringt. In Hamburg war seine Fassung nun zum 334. Mal zu erleben, wie immer vor ausverkauftem Haus.