Es ist eine Oper für die Weihnachtszeit: Giacomo Puccinis ‚La Bohème‘, und ich habe mich darauf gefreut, sie am zweiten Weihnachstag wieder einmal im Nationaltheater in München sehen zu können. In der Bayerischen Staatsoper spielt man die Tragödie seit 1969 in der textgetreuen Inszenierung von Otto Schenk, und die stimmungsvollen Bühnenbilder von der armen Mansardenwohnung über den Dächern von Paris, dem belebten Quartier Latin und der verschneiten Schenke begeistern mich nach wie vor. Wie kurzlebig, dachte ich mir, sind demgegenüber die Inszenierungen und Ausstattungen heutiger Produktionen, die auf krampfhafte und oft so wenig überzeugende Aktualisierungen setzen!