Es stimmt ja, was Tobias Kratzer im Vorfeld seiner Inszenierung von Richard Wagners „Rheingold“ in Interviews zu bedenken gab: Der religiöse Gehalt des Werkes, die Frage nach den Göttern ist in der Rezeption der letzten Jahrzehnte kaum je gestellt worden. Es könnte also lohnend sein, diesen Aspekt (und nicht ein weiteres Mal den kapitalismuskritischen) in den Fokus zu rücken und Wotan als Gott (und nicht schon wieder im Businessanzug und mit Aktentasche) zu zeigen. Und so spielt dieses neue Münchner „Rheingold“ in der Ausstattung von Rainer Sellmaier zu weiten Teilen vor und in einer gotischen Kirche, deren Erbauer Fasolt und Fafner als Priester erscheinen. Die Götter selbst ziehen am Ende nicht nach Walhall, der starken Götterburg, sondern in die Nischen des Hochaltars, der dort im Abendschein prächtig prangt. Aber ist das ein „religiöser Gehalt“? Oder nicht doch bloße Staffage?