Ein Liederabend kann schon eine irritierende Angelegenheit sein. Diese Kunst des Intimen hat es in Zeiten des Drangs zu gesteigerter Selbstdarstellung und medialer Nabelschau nicht leicht, und so trifft man bei solchen Anlässen oft auf Sängerinnen und Sänger, die sich in gekünstelten Ziergesang flüchten, in eine manierierte Zurschaustellung ihrer vokalen Mittel. Und dann gibt es solche, die sich von der Opernbühne nicht verabschieden können und auch im Liederabend opernhafte Dramatik suchen, den schnellen Applaus für Spitzentöne; sie wollen oder können sich der speziellen Situation eines Liederabends nicht ausliefern. Schließlich wären noch diejenigen zu nennen, die den großen Vorteil eines mit Kunstliedern gefüllten Programms klar erkennen und als Trumpfkarte ausspielen: eine völlig eigene Art der Beziehung zwischen Ausführenden und Publikum, eine Möglichkeit zum intimen Ausdruck und Austausch, ein Geben und Nehmen.