Als Puccinis „La bohème“ ein Jahr nach der Uraufführung zum ersten Mal in Wien gespielt wurde (das war 1897), empörte sich Eduard Hanslick über das neue Stück, weil der Komponist darin „den letzten Schritt zur nackten prosaischen Liederlichkeit unserer Tage“ vollzogen habe. Er wetterte gegen die „Helden in großkarierten Beinkleidern, schreienden Kravatten und zerknüllten Filzhüte“, weil er darin einen „Bruch mit den letzten romantischen und malerischen Traditionen der Oper“ sah. War dem strengen Hanslick die Szenerie – das Stück spielt im ärmlichen Künstlermilieu von Paris in den 1830er Jahren – allzu prosaisch, so störten sich andere wiederum am Melodienreichtum, mit dem Puccini die schlimme Geschichte von Rodolfo und Mimi erzählt: süßlich, kitschig, ja verlogen sei diese Musik. Weder der eine noch der andere Vorwurf verhinderten den Erfolg dieser Oper. Sie gehört zu den meistgespielten Werken des sehr kleinen Repertoires, das die Spielpläne der Musiktheater in aller Welt ausmacht.