Simone Young war vielen französischen Konzertbesuchern an diesem Abend in der Philharmonie de Paris kein vertrauter Name, wie mehreren Unterhaltungen vor dem Beginn zu entnehmen war. Das überrascht einerseits, ist sie doch längst eine zuverlässige Größe auf großen Opernbühnen der Welt und zudem immer wieder Gast bei diversen Symphonieorchestern. Andererseits wird mit Blick auf Youngs Lebenslauf schnell deutlich, dass sie eigentlich nie nach den höchsten Sternen am Firmament greifen konnte, zumindest was Chefposten bei der absoluten A-Riege der Klangkörper anbelangt. Spätestens nach diesem Konzert kann man darüber nur den Kopf schütteln, denn die australische Dirigentin leitete die Aufführung von Brahms' Ein deutsches Requiem auf die inspirierendste und souveränste Weise, die man sich nur vorstellen kann. Und wer das Glück hatte, Simone Young schon öfter dirigieren gesehen zu haben, weiß, dass dieses hohe Niveau kein Einzelfall war, sondern bei ihr die Regel darstellt. Nun gab sie beim Orchestre de Paris ein heftig bejubeltes Konzert mit einem Programm, das durchaus die Gefahr in sich trug, sperrig zu werden.