Als John Neumeier als Tänzer von London nach Stuttgart wechselte, war John Crankos „Romeo und Julia, 1962 uraufgeführt, noch ganz jung. Dass er nur wenige Jahre später eine eigene Fassung als abendfüllendes Ballett auf die Bühne brachte, zeugt nicht nur von der Unerschrockenheit des jungen Mannes, sondern auch von seinem Ausdruckswillen. Und tatsächlich gelang es ihm in Frankfurt 1971, wo er inzwischen zum Ballett-Direktor geworden war, die Geschichte anders zu erzählen als sein großer Stuttgarter Lehrmeister, und das, obwohl auch er die Musik Prokofjews nutzte und wiederum Jürgen Rose für Bühnen- und Kostümbilder verantwortlich war. Näher am Original sollte seine Fassung sein, psychologisch noch ausdifferenzierter und glaubhafter. Über 50 Jahre sind seitdem vergangen – und beide Fassungen, die von Cranko so gut wie die Neumeiersche, konnten, sicher auch dank der bestechend schönen Ausstattung, ihre Frische und Schönheit bewahren.