Neues Morgenblatt
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Theater · Literatur

Was daraus wird

Wagners Götterdämmerung als Abschluss des Berner Rings

30. März 2025  ·  Bernhard Metz

Beglückend, wenn langjähriges Arbeiten beendet wird (auch „vollendet“?). Richard Wagners Ring des Nibelungen (Regie Ewelina Marciniak) startete an den Bühnen Bern vor über drei Jahren als größtes je dort begonnenes Opernprojekt (Premiere Rheingold 12. Dezember 2021; Walküre 15. Januar 2023; Siegfried 14. April 2024) und konnte unter Nicholas Carters Dirigat glücklich abgeschlossen werden. Carter präsentierte mit Berner Symphonieorchester, verstärktem Ensemble und überragendem Chor (Leitung Zsolt Czetner) der Bühnen Bern eine Wagner-Interpretation, die hörenswert, oft detailgetreu und zugleich imposant ausfiel. Marciniak und ihr Team hingegen nutzten auch Götterdämmerung nicht, um ein grandioses Rheingold und eine weitgehend interessante Walküre weiterzuspinnen. Siegfried fiel noch schwächer aus, Götterdämmerung als Antwort auf die Frage, „was daraus wird“, fesselt ebensowenig: „Zu locker das Seil“, befinden die Nornen; dann freilich zu fest: „Es riß!“

Wer die vorangegangenen Teile des Berner Rings (noch) nicht kennt, wird diese Götterdämmerung für eine ordentliche Darbietung mit sehr guten bis extraordinären musikalischen Leistungen schätzen. Aus dem Wissen um die früheren Inszenierungsteile resultieren Enttäuschung und Unverständnis darüber, wie Frische und Tempo so verlorengehen konnten. Was im Rheingold innovativ und tatkräftig gelang, etwa das Auftreten von Bühnenarbeitern oder der ironisierende Einsatz von Büromobiliar, selbst Personendopplungen durch Tanzende oder sogar grelle Gewalt-Darstellungen, misslingt als wiederholte Selbstzitation: Siegfrieds Leichnam wird diesmal mit einem Blutschwall überschüttet, urgermanische Blood Bucket Challenge.

Entweder „der prangende Bau“, auf den man sich seit Rheingold freuen durfte, war als Gesamt-Ring nie intendiert (was irritierend wäre; die Gesamt-Regie war immer vorgesehen und der wichtigste Grund dafür, einen kompletten Ring einer Regie zu überantworten, mit Kontinuitäten an einem Haus) oder dieser Plan musste aufgrund zeitlicher Erstreckung abgeändert werden, aufgrund von Reflexionen des bisher Erarbeiteten, Aktualisierungen, notwendigen Zeitbezügen.

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